Freitag, 5. April 2013

Hunger als Naturschauspiel


Wo Frühling sein sollte, hält sich hartnäckig der Winter.

Das Vogeldrama um uns herum bringt die Phantasie auf Hochtrab. Ich beginne Notbehausungen aus Pet-Wasserkanistern für Singvögel zu entwickeln und zu testen. 
Sie bestehen aus einem Einflugloch, Wasserabfluss am Boden, innen mit etwas Stroh und  einem Schilfrohrmantel zur Tarnung und Beschattung.



Vorteil: sehr einfaches Prinzip, kostengünstig, leicht verfügbar, kann jährlich einfach gewechselt werden.

Es stellt sich nämlich für die Singvögel das Problem, dass sie durch die lange Kälte viel später zu nisten beginnen und zudem anfangs wenig Nistmaterial finden werden.
Es ist klar, dass man nicht die ganze Vogelwelt retten kann, aber es geht mir darum, die anwesende Kernpopulation über diese Krise zu bringen, damit sie sich als "Arteninsel"  danach wieder weiter vermehren kann.


Die Frage ist, ob es Vögel gibt, die sich zu so einem Pragmatismus punkto Wohnkomfort hinreißen lassen. Wenn es funktioniert, geht das Patent leicht verbessert in "Massenproduktion".


Es gibt Leute, die finden es wichtiger darüber zu diskutieren, ob Tiere eine Seele haben. Eines ist gewiss - sie empfinden ebenso Hunger wie wir und Gott liebt sie auf seine Weise. Steht doch so schön in der Bibel (Matthäus Kap.6), " Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch."

Es gibt also eine sorgende Kraft,  die Menschen dazu anleiten kann, ebenfalls für die Schöpfung da zu sein.

Konstruktion eines einfachen Futterspenders
In meinem Fall hat es mit einem kleinen Futterhäuschen im Garten begonnen, welches einigen Meisen und Spatzen in der Umgebung den Winter erleichtern sollte. Ich wollte diese Vögel auch in meinem Garten haben, als nützliche Wildlife-Zierde, mein persönliches Programm zur Hebung der Biodiversität. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man die Natur so gut wie möglich in Ruhe lassen sollte, besonders Gebiete, die noch wild sind oder sich in einem Zustand der Renaturierung befinden. Bei letzterem kann man natürlich ein wenig nachhelfen, aber da sollte man schon wissen, was man tut.  Oder sich zumindest bewusst sein, dass es sich um ein äußerst komplexes Gebilde handelt, in dem der Mensch seine negative oder positive Rolle spielen kann.

Durch das Schmelzen des arktischen Eises verändern sich die atmosphärischen Strömungen, welche für den Wärmeaustausch bei jahreszeitlichen Übergängen verantwortlich sind. Das Abschmelzen des Polareises ist auf anthropogenen Einfluss zurück zu führen, da es sonst keinerlei Faktoren gäbe, welche einen derartig raschen  Klimaumschwung erklären würden. Die Sonnenaktivität und Umlaufbahn der Erde sind soweit konstant, die großen Veränderungen in der Biosphäre  sind: die Zerstörung der Meere, Abholzung der Regenwälder, Megastädte versiegeln die Landschaft, zunehmender Ausstoß von Treibhausgasen, zunehmende Beeinträchtigung regenerativer Kreisläufe,  das vollbringt allein der Mensch. Der Preis sind unvorhersehbare Klimaschwankungen. Einmal bekannt gemacht als "El Niño", dann "La Niña", nun ein "Skandinavienhoch" das monatelang auf der Nordhalbkugel bis in die gemäßigten Zonen hinunter reicht.

In wenigen Minuten wird er bereits gefunden sein
Die Schneedecke bremst die Natur aus. Alles muss auf Reserve laufen. Die Pflanzen kommen damit noch recht gut zurecht, Insekten wahrscheinlich auch, aber besonders Säugetiere und Vögel haben ihren Vorrat verbraucht und finden finden jetzt keine Nahrung vor, um sich für die Fortpflanzung zu stärken. Es ist offensichtlich, dass die Tierwelt extrem hungert.

Anders ist es nicht zu erklären, dass sich täglich immer mehr Vögel um mein kleines Futterhäuschen drängen, so dass ich mich gefordert sah noch weitere Stellen für die Fütterung einzurichten. Ich bediente mich dabei dem praktischen PET-Flaschen Patent des WWF. Die erste befüllte ich am Abend mit Sonnenblumenkernen (Vogelfuttermischungen sind im Moment nirgendwo erhältlich), am nächsten Vormittag war die Flasche bereits leer. Ich zögerte daher nicht lange und baute gleich noch eine.

Ich schätze, das heute auf mittlerweile 4 Futterstellen verteilt gleichzeitig bis zu 100 Exemplare verschiedener Arten im Garten anwesend waren. Im Umkreis von 500 Meter befanden sich heute schätzungsweise  300 Vögel in den Baumkronen und zahlreichen Sträuchern der Nachbarschaft. Die Tiere bewegten sich nicht weit von der scheinbar einzigen ergiebigen Nahrungsquelle weg. Es bildeten sich kleine Schwärme, welche  das Gelände umkreisten. Den ganzen Tag über war ein ständiges Kommen und Gehen aus der weiteren oder näheren Umgebung zu beobachten, ein ständiges Wechseln zwischen Bäumen und Futterstellen und vor allem - ein riesiges vielstimmiges Konzert in der Winterlandschaft, das schon von Weitem zu vernehmen war.

Ein Blick auf mindestens 10 Arten
Folgende Arten konnte ich mit Sicherheit bestimmen:
Sehr zahlreich sind Buchfinken, Feldsperlinge, Kohl- und Blaumeise, gefolgt von Stieglitz,  Zeisig, Girlitz, Grünfink, Eichelhäher, einige Amseln und ein Fasanpärchen, das am Abend vorsichtig durch den Zaun schlüpft und die Reste vom Boden aufnimmt.

Auf einer Fahrt nach Krakau habe ich dann festgestellt, dass von der Straße aus ab dem angrenzenden Ort keine Vögel mehr sichtbar sind. Alle Baumwipfel in der verschneite Landschaft  sind leer, in einem Ort sah ich vereinzelt Amseln.

Am heutigen Tag gingen annähernd 2 kg Sonnenblumenkerne auf.  Ich muss mich nun um eine preisgünstige und besser ausgewogene Futtermischung kümmern, da im Moment kein rasches Ende dieses Dramas zu erkennen ist.

Dieses Video zeigt, wie nahe mich die ansonsten sehr scheuen Wildtiere an die Futterstelle herankommen lassen. Ein großer Teil ist zwar aufgeflogen und wartet in sicherer Entfernung in den Bäumen, bis die Störung vorbei geht. Andere haben sich an meine immer gleiche Haube und Jacke bereits gewöhnt. An den neueren Futterstellen funktioniert das nicht. Obwohl im selben Garten fluechten die Tiere sofort, wenn ich mich auf mehr als 25 Meter nähere. Die gefiederten Zweibeiner sind sehr wachsam und reagieren auf jede Bewegung im Garten und sogar in den Fenstern. 

Durch den Klimawandel kommt es zu immer stärkeren Wetteranomalien. 2013 dauert der Winter wahrscheinlich bis Mitte April. Auf dem 50. Breitengrad können sich die Singvögel  nur schwer auf diese Situation einstellen.

Ein Massensterben droht.

Ein Foto durch den Feldstecher vom Küchenfenster aus
Erst gegen 18 Uhr beruhigt sich langsam die Situation. Die Vögel ziehen Gruppenweise ab zu entfernteren Schlafbäumen. Ein letztes Mal wird das Futterhäuschen befüllt, damit die von der kalten Nacht hungrigen Tiere am frühen Morgen ausreichend Nahrung vorfinden.

Es war mir an diesem Tag nicht möglich, ruhig in meinem Atelier zu arbeiten, während draußen unsere kleinen singenden Freunde darben. So ist aus einem nebensächlichen ornithologischen Hobby mit einem Schlag eine große Aufgabe geworden.
















Mittwoch, 3. April 2013

Gesang im Garten des selbstsüchtigen Riesen

Jeden Morgen wenn ich in diesem Frühjahr aus dem Fenster schaue, muss ich an Oscar Wildes Märchen "Der selbstsüchtige Riese" (The Selfish Giant) denken. Dichtes Schneetreiben in einer vereisten Landschaft voll blattloser Bäume und Sträucher, alle Schattierungen von Grau, eine kalte Schneedecke soweit das Auge reicht,  das ist das sprechende Gesicht dieses Frühlings.

Auf den Straßen ist der Schnee zu Matsch gefahren, wer im warmem SUV fährt, dem geht es gut, man schiebt das Wetter dem Klimawandel in die Schuhe, oder einfach jahreszeitlichen Kapriolen.

Frühling im Garten des selbstsüchtigen Riesen. Maminato, März 2013

 Die Diskussion: Klimawandel - wieso, es müsste demnach ja wärmer werden - ja oder nein, alles Gerede darüber ist nur ein Versuch, das Problem nicht sehen zu wollen. Denn: Die Natur spricht auf ihre Weise zu uns. Wir begreifen leider nicht, wie sie zu uns spricht. Wir begreifen es nicht, denn wie kann etwas sprechen, das kein Hirn hat? So denken viele.

Wie denken: Nur wir Menschen können Zusammenhänge erfassen und mitteilen, denn wir haben ein intelligentes Bewusstsein. Wir haben außerdem die Technik und eines Tages werden wir damit alle Probleme beherrschen, auch das Klima. Wir wollen nicht in die Steinzeit zurück, sondern brauchen das Wachstum zur Entwicklung unserer Gesellschaft. So denken viele.

Aber sie sehen nicht. Sie sehen nicht die Selbstsucht und Verschwendung, welche diese Entwicklung der Gesellschaft begleitet und ihren Erfolg gefährdet. Das System der Gier steht den Hilflosen bis zum Hals, es mästet sich an Verlierern. Unsere Gesellschaft ist zum Riesen emporgewachsen, der den gemeinsamen Garten selbstsüchtig in Besitz nimmt, das kindliche Lebensspiel verbannt, die lieblichsten Gemeinplätze unserer Kultur versklavt und herum eine hohe hässliche Mauer baut.

Die Menschen werden zu Gliedern dieses Riesen und zunehmend blind für alles, was nicht auf kleinen und großen Bildschirmen existiert.

Der letzte "Frühling" dieser Art war 1944, einem Jahr, in dem das menschliche Verbrechen im Gräuel des II. Weltkrieges seine Höhepunkte auslebte, an vielen Millionen Menschenleben, welche systematisch zerstört wurden. Im Frühjahr 1944 war ebenfalls Winter, sowohl in den Herzen, als auch in der Natur.

Das Jahr 2013 mag trotz vereinzelter Kriege nicht so drastisch wirken, aber die Selbstsucht hat auch andere Gesichter als der Hass des Krieges. Unsere Selbstsucht ist zum Feldzug der Ausbeutung auf Kosten der kommenden Generation mutiert. Jene ist hilflos wie die Schöpfung um uns, hat keinen Anwalt, denn es sind höchstens kleine unmündige Kinder.

Vielleicht will die Schöpfung nicht mehr länger mit ansehen, wie unsere riesige Wohlstandsfestung den Kindern dieser Welt ihre Lebensfreude nimmt? Vielleicht fühlen sich in einer kalten Spektulanten- und "Developer"-Landschaft nur mehr Eis, Schnee, Frost und Nordwind zu Hause? Ist unsere soziale Kälte bereits so frostig, wie der eisige Tod in den Lagern des letzten Weltkrieges?
Selbst wenn es nicht ganz so wäre, stünde es uns Riesen an, über unsere Selbstsucht nachzudenken, über den ewigen Winter, welchen wir den Ausgesperrten - und damit uns selbst bescheren.

Wie in Oscar Wildes Märchen gibt es nun in unserem großen Garten keine Blumen und keine Lebensfreude mehr. Das Wild und die Singvögel verhungern. Statt dem Duft der Blumen atmen wir den Gestank der Abgase im scharfen Nordwind.

Ich habe ein kleines Loch in die mächtige Mauer des Gartens des selbstsüchtigen Riesen gemacht und an einer bestimmten Stelle eine Handvoll Vögel durch den hartnäckigen Winter gefüttert. 

Not- Fütterung für Singvögel im Garten des selbstsüchtigen Riesen


Vögel erfrieren eher nicht, sie verhungern, da sie in der Kälte sehr viel Energie verbrauchen. Je länger der Winter dauert, umso mehr drohen die Vögel in der Umgebung  zu verhungern. Ich arbeitete einen Fütterungsplan aus, um das so gut wie möglich zu verhindern. Erfahrungen aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass auch sehr weit entfernte, jenseits des sichtbaren Horizonts befindliche Populationen den Fütterungplatz herausfinden können und bei der Befüllung rasch heraneilen. Wie das genau funktioniert, Buschtrommel, wie auch immer, ist mir noch ein Rätsel. Sehr wichtig ist, dass bereits am Morgen Futter da ist, da die Vögel in der kalten Nacht viel Energie verbrauchen. Durch regelmäßige Kontrollen und einige Selbstspender wird garantiert, dass kein gravierender Engpass entsteht. Mittlerweile ist - bei tiefem Winter Anfang April - der Andrang sehr groß geworden. Ich schätze ein ständiges Vorhandensein von ca. 30 - 50 und mehr Vögeln.  Sperling, Meise, Amsel, Eichelhäher, fallweise Fasan, waren als Standvögel den ganzen Winter anwesend, doch nun kommen täglich neue Arten von Zugvögel hinzu, deren Gesang und Gefieder das Geschehen sehr bunt machen.  Die Bestimmung ist noch nicht abgeschlossen. Es ist nun ein Eldorado für Ornithologen, denn man hat alle möglichen Arten dicht gedrängt auf einem Haufen, die normalerweise auf Landschaft und Gebüsch verteilt wären.

Diese Vögel hatten einen Hungerflug hinter sich und stürzen sich wie wild auf das Futter. Viele ziehen nicht weiter, sondern bleiben einstweilen in den umliegenden Bäumen und warten bis Nachschub kommt. Und er kommt. Abgesehen von den Selbstspendern von denen vor allem die Meisen profitieren, geht pro Tag ca. 1 kg Vogelfutter für 1 Futterhäuschen und einer weiteren Futterstelle in den Naturkreislauf über, Tendenz steigend.

Durch das Loch in der Mauer des selbstsüchtigen Riesen wurden an diesem Ort die Vögel wieder zum Singen gebracht, es mutet geradezu grotesk an, in der starren Winterlandschaft einer bunten Vogelschar zuzuhören, die in dieser Dichte und Vielfalt an diesem Ort bislang einmalig erscheint.

Dienstag, 19. März 2013

Gier erzeugt Leid und was Papst Franziskus den Mächtigen auf den Weg gibt.

Es ist kein Vergnügen, einen Jammerblog zu schreiben und auch nicht, ihn zu lesen. Die Welt ist voll von Geschrei von Leuten, die meinen, ihre Meinung sei besonders wichtig. Seit der letzten Jahrtausendwende kam die wirtschaftliche Globalisierung so richtig in den Tritt, die Überwachung der Bürger und die Einschränkung der Bürgerrechte nahm in dem Maße zu, wie das Landgrabbing in unterentwickelten Regionen, die Knechtung der Armen auf allen Kontinenten, die Zerstörung der Meere und Verseuchung von Böden und der Atmosphäre.

Die Welt in den Klauen der Mächtigen. Maminato-Technik©W. Hofer



Es ist meine Generation, welche dieses Unheil vermehrt und ich schäme mich dafür. Gier erzeugt Leid. Unsere Gesellschaft sieht es als Notwendigkeit an, die Gier als Motor ihrer Existenz wie eine Tugend zu pflegen. Heuchlerisch wird die Zunahme allen Leids hingenommen, obwohl genug Gelegenheit bestünde, es besser zu machen. Fast alles, was an besonders originellen Lösungen in den letzten Jahren lauthals und reich illustriert hinaus posaunt wurde, diente vor allem dem Eigennutz. Die vielen kleinen Stimmen, die um mehr Humanität betteln, werden an den Rand, in das Chaos, in das Vergessen, in eine politische Kaste oder in die Illegalität gedrängt, krank gemacht oder umgebracht. 

Vieles, was wir relativ reiche Europäer glauben besitzen zu müssen, unser vermeintlicher Wohlstand und Fortschritt, ist nicht nur zu viel des Guten, nein es ist ein Übermaß der Schande. Es ist eine Schande, für die meine Worte nicht reichen, nie gereicht haben. Es ist ein Verbrechen gegen die Schöpfung, eine Anmaßung, die mich sprachlos macht. Die Satten unserer Zeit mästen mit dem Leid der anderen ihre Gier und sowohl das eine wie das andere wird von Tag zu Tag größer.

Mit der gesellschaftlichen Entwicklung bekommen auch die destruktiven Stilmittel verbesserte Grundlagen, welche ermöglichen, unglaubliches anzurichten, geschickt die Umwelt zu vernichten,  Menschen zu täuschen und in den Ruin zu treiben. Es gibt jedoch immer Gegenpole einer Entwicklung und das bleibt eine unserer Hoffnungen, ansonsten hätten die Fresser unser Leben bereits zerstören und auch sich selbst vernichtet. Ich danke an dieser Stelle allen Verantwortlichen, die auch in schwierigen Situationen ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Jene zählen zu den Helden dieser Zeit. Aber manchmal braucht es regelrechte Wunder.

Angesichts des heran keimenden schmerzlichen Schicksals der Welt will ich auf ein kleines Wunder hinweisen, welche das Geschick der Menschheit ganz nach Stefan Zweig zum Besseren wenden könnte und wir das Glück haben in schmerzhaften Zeiten dem beizuwohnen. Die Wahl von Papst Franziskus mag nur ein kleines Zeichen dafür sein, aber es bringt völlig neue Töne in das weltweite Szenario. Die Machtsüchtigen und Regierenden müssen sich ab jetzt an jemandem messen, der ohne jegliche Gier, Stolz und Hass sich den Insignien seiner Macht bedienen darf. Seine Macht besteht darin, die Herzen der Menschen zu erreichen, ihre Liebe zu verdienen. Seine Worte haben die Macht, das Steuer unseres Lebensschiffes umzuwenden, um nicht an unheilvollen Klippen zu zerschellen. Ich habe folgende Aussagen des Papstes am Tag der Überreichung des Fischerringes aus dem Spanischen übersetzt:

Quelle: El Pais, 19.03.2013

Jorge Mario Bergoglio ha dicho que quiere ser un obispo de Roma que cuide “de los más pobres, de los más débiles, de los más pequeños, de quien tiene hambre, sed, es extranjero, está enfermo o en la cárcel”

Jorge Mario Bergoglio sagte, er will ein Bischof von Rom sein der sich um die Ärmsten, die Schwächsten, die Kleinsten kümmert, jene die Hunger haben, Durst, fremd sind, krank oder in einem Gefängnis. 
 
“Ciertamente, Jesucristo ha dado un poder a Pedro. Pero, ¿de qué poder se trata? Nunca olvidemos que el verdadero poder es el servicio, y que también el Papa, para ejercer el poder, debe poner sus ojos en el servicio humilde, concreto, rico de fe de San José y, como él, abrir los brazos para custodiar a todo el pueblo de Dios y acoger con ternura y afecto a toda la humanidad”.

" Sicherlich, Jesus Christus hat Petrus Macht gegeben. Aber wozu dient diese Macht? Vergessen wir nie, dass die wahre Macht im Dienen liegt und dass auch der Papst, um seine Macht auszuüben, seinen Augenmerk auf das demütige (selbstlose) Dienen richten soll, reich an Glauben des Hl Josef und so wie er soll er die Arme öffnen, um das Volk Gottes zu behüten, mit Zärtlichkeit und Zuneigung für die gesamte Menschheit."

“Quisiera pedir, por favor, a todos los que ocupan puestos de responsabilidad en el ámbito político, económico y social: seamos custodios de la creación, del designio de Dios inscrito en la naturaleza, guardianes del otro, del medio ambiente; no dejemos que los signos de destrucción y de muerte acompañen el camino de este mundo nuestro”. 

 "Ich möchte Sie bitten, ich bitte alle jene, welche eine verantwortliche Stellung im Bereich der Politik, Wirtschaft und der Gesellschaft inne haben: Seien wir Hüter der Schöpfung, in ihrer Natur ist die Handschrift Gottes eingetragen, seien wir Hüter des anderen, der Umwelt; lassen wir es nicht zu, dass die Spuren der Zerstörung und des Todes unseren Weg durch diese Welt begleiten." 

“Recordemos que el odio, la envidia, la soberbia, ensucian la vida. Custodiar quiere decir entonces vigilar sobre nuestros sentimientos, nuestro corazón, porque ahí es de donde salen las intenciones buenas y malas, las que construyen y las que destruyen. No debemos tener miedo de la bondad, más aún, ni siquiera de la ternura…”.

"Erinnern wir uns, dass der Hass, der Neid und der Hochmut das Leben verschmutzen. Hüten soll demnach heißen, über unsere Gefühle zu wachen, auf unser Herz, denn von hier gehen die guten und schlechten Intentionen aus, jene die aufbauen und jene die zerstören. Wir sollen keine Angst vor der Güte haben, mehr noch, auch nicht davor Zärtlichkeit zu zeigen ... ".

 “Recen por mí.”

"Betet für mich." 

 

 

 

Dienstag, 12. März 2013

Autobahnprojekt durch Naturpark und Atelier wirklich so gewollt?

 Aktueller Stand der Dinge:

Ohne offizielle Information der Bevölkerung wurde - abgesehen vom betroffenen Naturschutzgebiet - geradewegs über neu gebaute Häuser und Siedlungen,mitten durch das Wohngebiet zahlreicher Ortschaften, mit der Perspektive der Förderung durch EU-Mittel eine 4-6spurige Schnellstrasse (in der realen Dimension einer Autobahn) geplant!

Mit der Zeit nahm die Unsicherheit bezüglich dieses Projektes immer mehr zu und es kam zur Bildung eines Bürgerprotestes, wobei die Anrainer von zahlreichen Krakauern unterstützt wurden. Ein Sprecher des Marschallamtes von Kleipolen gab schließlich in einem Interview an, dass das Schnellstraßen-Projekt im Moment nicht an der Tagesordung stehe. 
Die Bürgerinitiative "wrogadroga.pl" wird die zukünftigen Bestrebungen des Fernstraßenausbaues im Auge behalten.

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Nach dem Schock, dem Zorn, der Angst der letzten Tage über dieses wahnwitzige Projekt einer Autobahntrasse durch die sensibelsten Regionen im Norden von Krakau, kehrt ein wenig Ruhe ein und es wird Zeit, mit kühlerem Kopf den Sachverhalt zusammen zu tragen.
Offizielle Informationen gibt es im Moment keine. Das einzig sichere ist, dass dieser Frevel zu Papier gebracht wurde. Es muss nun die Zeit genutzt werden, sich selbstständig über sämtliche Umstände zu informieren, die mit diesem Projekt zusammen hängen.
Ein erster Informationsstrang umfasst die Raumplanung unseres Gemeindegebietes. Auf der Homepage von Zielonki wird ein Paket von Karten zum Download angeboten, welches über den Bebauungsplan, Infrastruktur, Landschaftsschutz u. Umweltschutzauflagen etc. detailliert informiert.
Ich habe mir erlaubt, einige Grafiken zur Illustration meiner Argumente hier einzustellen. Die nachträglich angebrachten grünen Kreise markieren ca. die Lage des betroffenen Naturschutzgebietes unter der Verwaltung des Nationalparks Ojców in dessen Bereich sich auch das Atelier Earth Spirit befindet.


Abb.1 Die hier besprochene Problemzone des geplanten Autobahnverlaufes (blaue Linien) befindet sich im Bereich des grünen Kreises.

Ökologische Schutzzonen des Raumplanes von Zielonki

Abb.2 Wirtschaftsplan des Gemeindegebietes Zielonki unter Hervorhebung der Umweltschutzauflagen. Die Variante Nr1 der geplanten Autobahntrasse würde im grünen Kreis den unteren Teil des Naturschutz-Geländes (grün schraffierte Fläche) quer durchschneiden.

Während der letzten Bürgerversammlung äußerte der Bürgermeister von Zielonki die Befürchtung, dass es von Seiten des Landes Bestrebungen gäbe, die Raumplanung zu ändern, um in Zukunft Projekte dieser Art durchsetzen zu können. Solange dieser Verdacht im Raum steht, gilt dieses Schutzgebiet als potentiell gefährdet. Dazu kommt natürlich die Trennung und großflächige Vernichtung von Siedlungsteilen, der lokalen Infrastruktur, im Raumplan freigehaltene Zonen für Erholung und Nahtourismus, aber nicht zuletzt - als sicher eines der gewichtigsten Argumente der Zukunft - eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung der Region. Wichtige Trinkwasser-Reservoirs befindet sich im rechten oberen Viertel innerhalb des grünen Kreises (vergleiche auch Abb.1), durch welchen eine der geplanten Routen führen könnte.


 Archäologisch/kulturelle Schutzzonen, Landschaftsschutz

Abb. 3 Diese Karte zeigt u.a. die Schutzzonen für archäologische Fundstellen (gelbbraune Flecken). Anhand örtlicher Funde lässt sich die Zeitlinie des Menschen bis zum Neandertaler zurück verfolgen, der seinen Lebensraum hier mit Ur-Rind und Höhlenbär teilte. Die Schutzzonen verhindern bislang eine intensive Bebauung, um das hiesige Erbe der Menschheit für kommende Generationen zu erhalten. 

Abb.4 Ebenfalls bedeutend in diesem Zusammenhang ist diese Schutzfunktion für historische Hinterlassenschaften, z.B. Gräber gefallener Soldaten aus Epoche der Habsburger Monarchie, die hier ihre nördliche Grenze hatte. Anekdoten aus der Zeit der Urgroßväter sind hier bis heute lebendig.

So blutig die Konflikte entlang dieser Grenze einmal ausgetragen wurden, heute bewirkt das günstige Mikroklima, dass die "Ureinwohner" alt werden. So mancher 20er Jahrgang (liebevoll genannt: Vorkriegsstahl)  ist noch fix auf den Beinen und kann schmunzelnd von Vätern und Onkeln erzählen, denen zwischen den Fronten die russischen und österreichischen Kugeln um die Ohren pfiffen.  



All diese regionalen Umstände habe ich in Planung und Charakter unseres Wohnhauses und des Atelier Earth Spirit einfließen lassen. Es sollte seiner Zeit voraus sein und mit der Landschaft verschmelzen. Abgesehen von den etwas strengeren Auflagen in der Region bestand eines meiner Ziele darin, auf eigenem Grund und Boden nicht nur den Vorschriften des Landschaftsschutzes sondern so weit wie möglich auch der Idee des Naturparks zu entsprechen. In der mehrjährigen Bauphase folgte ich einem selbst kreierten Maßnahmenkatalog, der weit über die damaligen Umweltauflagen hinausging, mit dem Ziel, die durch den Hausbau verloren gegangene Biodiversität mehr als zu kompensieren. Dieser Wunsch hatte sich über alle meine Erwartungen erfüllt!
Seit Jahren nimmt die Biodiversität der hier lebenden Arten zu, ich begann mit Bepflanzung, Teils mit wilden Setzlingen aus der Umgebung, einem speziellem Reliefsystem des Gartens, Altholz und Kompostierung, Nistraum für Insekten, Raum für Kleintiere, Zonen ohne menschlichen Zutritt, Schaffung von Vogel-Nistmöglichkeiten, Futterquellen, Naturwasserverwertung, natürliche Wasserrückhaltebecken für Feuchtzonen, Tränken, Gras und Schotterwege, kein Beton, Naturhecken mit Wildzaun als Einfriedung (ohne Zaun geht es hier leider nicht). Die Rasenflächen werden seit Jahren muskelbetrieben mit Sense und Spindelmäher gepflegt. 


Blick aus dem Blumengarten. Das Wohnhaus wurde in jahrelanger Handarbeit so in das Gelände eingefügt, als wäre es schon immer da gewesen. Parallel zum Bau wurde ein Naturgarten hochgezogen.

Dazu kommen am Haus Selbstverständlichkeiten wie Wärmedämmung, Co2-neutrale Heizung, verschiedenste Formen von Recycling und Verwendung ökologischer Baumaterialien und nicht zuletzt die Einhaltung der traditionellen Bauform (Góralen-Blockhaus), die durch ihr menschliches Maß dem Projekt ihren Liebreiz gibt. Zu meiner großen Freude wurde dieses Konzept von der Nachbarschaft nicht nur akzeptiert, sondern da und dort ein wenig übernommen. Alles was ich tat war, die natürliche Schönheit des Ortes nach allen Kräften zu unterstützen und ich denke, diese kleine Kulturlandschaft entwickelte im Lauf der Zeit eine gewisse Strahlkraft. Viele Besucher loben heute die Ruhe und die Harmonie des Ortes und sind ganz verwundert, wenn sie hören, dass dieses idyllische Bauernhaus nicht von der "Babcia" (Großmutter) geerbt, sondern ein Neubau ist. 


Das Konzept mit dem "persönlichen Naturpark" geht auf. Jeden Tag zeigen sich die Schönheiten der Natur vor der Haustür von einer neuen Seite.


Soweit Zeit und Kräfte reichen, trage ich dieses Engagement in die direkte Nachbarschaft. Die verbuschten, brach liegenden Nachbargrundstücke werden von mir stellenweise frei gesenst, an der Grundstücksgrenze halte ich u.a. als Brandschutz einen alten Fußpfad offen. Zu diesen neuen Äsungsflächen ist Niederwild zurück gekehrt. Es kennt uns schon und schaut seelenruhig zu, wenn wir einen Spaziergang machen. In die Natur geworfener Müll wird sofort von mir entfernt, damit nichts neues dazukommt, denn wenn es sauber ist, kommen die Leute weniger in Versuchung wieder etwas in die Natur zu werfen. 

Alles was ich hier schreibe, sind Selbstverständlichkeiten, über die ich normalerweise nie ein Wort verloren hätte, wäre dieser Ort, dieses Projekt nicht von der Vernichtung bedroht. Es kommt nicht auf die Größe eines Projektes an, sondern auf dessen Sinnhaftigkeit. Und ich denke, die Sinnhaftigkeit meines Projektes geht weiter, als nur die Verteidigung eines Grundstückes mit Haus und Garten.

Abb.5  (auf Polnisch): "NICHT DA LANG!"


Quellen: Abb.1 gazeta.pl, Abb.2-3 Studium Uwarunkowań i Kierunków Zagospodarowania Przestrzennego Gminy Zielonki Abb.4 Detail aus einer Heereskarte der Österreichisch Ungarischen Monarchie 1903 Abb.5 Google Maps (Satelite)